Im Gespräch mit Joe Henry Baker
Lernen Sie Joe Henry Baker kennen – den in Brooklyn lebenden Künstler und multidisziplinären Designer, dessen Arbeiten noch bis Ende August 2026 exklusiv in unserem LIÉ STUDIO Flagship Store zu sehen sind.
Joe wurde in London geboren, wuchs dort auf und lebt heute in Brooklyn. Er arbeitet in den Bereichen Malerei, Skulptur, Interior und Objektdesign. Seine Praxis erforscht die Materialität und den physischen Akt des Schaffens: Oft setzt er selbst gefertigte Werkzeuge und unkonventionelle Materialien ein, um die traditionelle Vorstellung der Leinwand in der bildenden Kunst zu hinterfragen.
Wir haben uns mit Joe unterhalten – über seinen Weg als Autodidakt, seinen kreativen Prozess, Inspiration jenseits des Ateliers und die Objekte, die seinen Alltag prägen.
Wie bist du zu deiner heutigen Arbeit gekommen, und wie hat sich deine künstlerische Praxis im Laufe der Jahre entwickelt?
Als Kind war ich gut darin, Tiere zu zeichnen, was sich später zu Landschaften und Porträts entwickelte, alles in einem sehr traditionellen Stil. Meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt, was es mir ermöglichte, die Kunstschule zu entdecken und dann verschiedene Designkarrieren in den Bereichen Branding, Möbel, Innenarchitektur und Produkte zu verfolgen. Während dieser Zeit blieb das Zeichnen und Malen mein ganz persönlicher kreativer Raum – ohne Briefing, ohne Kunden, lediglich in seltsamen gemieteten Ateliers irgendwo in der Stadt, abends und an den Wochenenden. Die Dualität von sauberem Grafikdesign vs. unordentlicher abstrakter Malerei funktionierte eine Zeit lang sehr gut zusammen – aber meine Kunst beanspruchte schließlich meine ganze Zeit und Energie, und ich folgte diesem Impuls. Mein Atelier ist jetzt ein Spielplatz aus Werkzeugen und Materialien, und ich lerne jeden Tag dazu.
Deine Arbeiten hinterfragen immer wieder die klassischen Vorstellungen einer Leinwand. Was hat dich zu diesem Ansatz inspiriert?
Durch Neugier, Experimentierfreude und manchmal auch durch unerwartete Fehler. Vor Kurzem meinte eine Galerie zu mir, dass ich wahrscheinlich bis an mein Lebensende malen werde, und vermutlich stimmt das. Gleichzeitig habe ich keine Ahnung, wie meine Arbeit in einem, zehn oder fünfzig Jahren aussehen wird. Gerade diese Offenheit treibt mich an. Ich versuche, meine Arbeit ständig weiterzuentwickeln, Gewohntes zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren. Ob neue Materialien, Techniken oder Medien: Mich interessiert alles, was meinen Blick erweitern kann. Am Ende gibt es mehr Ideen, als die Zeit jemals zulassen wird.
Wie würdest du deine Ästhetik in drei Worten beschreiben?
Neugierig, spielerisch, handwerklich.
Gibt es bestimmte Orte, Objekte oder Erlebnisse, die deine Arbeit konstant inspirieren?
Das Sammeln und Handeln mit Kunst, von Fotografie über Skulptur, Zeichnungen bis hin zu handschriftlichen Notizen. All das inspiriert mich täglich. Gespräche mit Freunden und Atelierbesuche, Aktzeichenkurse, Kunstbücher, Gedichte, Kochen. Und eine tiefe Verbundenheit zur Natur.
Außerhalb des Studios: Was hilft dir dabei, dich neu auszurichten oder kreativ wieder anzuschließen?
Bewegung ist alles. Das reicht von Spaziergängen mit meinem Hund oder einer Laufrunde in der Nachbarschaft bis hin zu längeren Touren mit dem Gravelbike durch verschiedene Länder. Zeit außerhalb des Studios ist genauso wichtig wie drinnen – und Bewegung des Körpers bewegt auch den Geist.
Was war die wertvollste Lektion, die du während dieses Prozesses gelernt hast?
Übung + Fehler = Entdeckung & Wachstum.
Wie definierst du Erfolg – persönlich und beruflich?
Die Balance zu finden, dankbar und stolz auf das zu sein, was man hat, verbunden mit dem Antrieb und dem Hunger nach mehr. Immer noch ein fortlaufender Prozess …
Was wünschst du dir, dass Menschen fühlen oder mitnehmen, wenn sie deine Arbeit erleben oder eines deiner Werke in ihr Zuhause holen?
Es ist etwas ganz Besonderes zu wissen, dass meine Arbeiten Teil des Alltags anderer Menschen werden. Ich hoffe, dass sie dort dieselbe Ruhe und Freude vermitteln, die ich während ihres Entstehungsprozesses empfunden habe.
Gibt es einen Gegenstand in deinem Zuhause oder Atelier, von dem du dich niemals trennen könntest, und warum?
Ich habe ein Paar Nachttischlampen von meiner ehemaligen Chefin und Mentorin Anna Karlin – sie bedeuten mir sehr viel und erinnern mich an meine Zeit hier in New York. Ich habe zwei antike Sessel, für die ich bei Alan Eckstein im Somerset House ein Gemälde eingetauscht habe und die ich sehr liebe. Und ich habe ein wunderschönes, maßgefertigtes Set aus Schalen und Tellern von meiner lieben Freundin Sydney Halela.
Wenn du nach vorne blickst: Auf welches kommende Projekt freust du dich am meisten?
Im Oktober fahre ich für einen Monat nach Marfa, Texas, um dort an einer selbst initiierten Residency teilzunehmen. Ich werde in einer der Scheunen der Marfa Distillery Co. arbeiten. Ich war jetzt schon vier Mal in Marfa, und jedes Mal fühlt es sich mehr wie ein zweites Zuhause an – die unendliche Weite der Wüste, der elektrische Himmel – ich kann es kaum erwarten zu sehen, wie sich das auf meine Arbeit auswirkt.